Dä Hönk

Bei der Verleihung des Sportabzeichens wird seit vielen Jahren auch ein Wanderpokal verliehen, der auf ganz spontane Weise in Leben gerufen wurde…

Es muss im Herbst 1983 gewesen sein, kurz vor unserer Sportabzeichenfete. Damals war es noch ein kleiner Kreis von ca. 15 Aktiven, die regelmäßig das Sportabzeichen machten. Bei der Abschlussfeier, die immer in der Vorweihnachtszeit bei Stammen (ehemals Schiefbahner Brauhaus) stattfand, war es üblich, dass jeder ein kleines aber ausgefallenes Geschenk zum Verlosen mitbrachte.

Im Frühjahr des gleichen Jahres bat mich ein Freund, einem jungen portugiesischen Lehrjungen etwas Nachhilfe zu geben, um ihn auf  die bevorstehende Facharbeiterprüfung vorzubereiten, die er auch im gleichen Sommer bestand. Zum Dank brachte mir der junge Mann aus seiner Heimat einen ´wunderschönen´ Hund aus Bronze, der im Maul einen Korkenzieher trägt, mit. Was sollten wir nur mit dem Geschenk machen? Meine Frau meinte: „Der Hund ist so schön kitschig, den stellst du mir nirgendwo hin“. Und es kam, wie es wohl mit vielen ähnlichen Mitbringseln geht, das ´Tier´ landete in irgendeiner Schublade.

Dann nahte der Termin der Sportabzeichenfete. Was nehmen wir denn nur zur Verlosung mit? Wir überlegten und überlegten wie in jedem Jahr… und dann kam uns die Erleuchtung: Wir schmuggeln IHN still und heimlich zu den anderen Geschenken.

Am besagten Abend stand er nun da unter all den anderen gut verpackten kleinen Gaben. Zu vorgerückter Stunde, im Anschluss an die Urkundenverleihung, durfte sich dann nach festgelegtem Prozedere jeder etwas aussuchen. Die Überraschung war immer groß und lustig wenn man sein Präsent auspackte. Es ging alles weg an diesem Abend, bis auf IHN. Jetzt stand er ganz alleine da, verhüllt wie der Reichstag und keiner wusste, was sich wohl unter der Verpackung verbarg. Es wurde später, diverse Getränke machten die kleine Gesellschaft etwas lockerer und mutiger, und irgendeiner brach dann der Bann und entfernte das Geschenkpapier. Oh Gott, was machen wir denn damit, war der allgemeine Tenor. Nun ja, es wurde später, die Mannschaft noch lockerer und dann kam einem die glorreiche Idee:

„Wenn IHN keiner haben will, dann sollen IHN alle bekommen, wir schaffen uns einen Wanderpokal“!

Gesagt und - auch getan. Der Hund wurde auf  einen Sockel montiert und jedes Jahr kommt eine kleine Plakette mit dem Namen einer verdienten Sportlerin oder eines Sportlers auf den Sockel. Die Spannung vor der Verleihung war und ist immer sehr groß: „Wä krett dann dess Johr dä Honk“? Der oder die Glückliche die mit einer kurzen Laudatio geehrt werden, dürfen die ´Ehrengabe´ dann für ein Jahr mit nach Hause nehmen.

Wir sind mittlerweile überzeugt davon, dass die Sportabzeichengruppe den schönsten Pokal des Vereins hat. Dieser Pokal ist so begehrt, dass, wenn er jeweils mit nach Hause gebracht wird, noch immer wie das Geschenk des Jungen aus Portugal behandelt wird: Der ist so schön, den kann man bis zum nächsten Jahr nur auf dem Speicher aufbewahren.

Gerd Brockmann

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